Wie der Tesla Electric Truck das Transportwesen verändert

  • Ruud
  • 2020-12-30 11:57
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Wie der Tesla Electric Truck das Transportwesen verändert

Die Klimakrise, die Anfang 2020 das Jahr mit einem verheerenden Feuer in Australien einläutete, hat uns gezeigt, dass die Auswirkungen des grenzenlosen Konsums längst bis an die Haustür unserer Zivilisation reichen. Selbst die Wirtschaft, die bis vor Kurzem lautstark weiterhin auf Öl- und Gasförderung gesetzt hat, hat mittlerweile den Nutzen des Ausstiegs erkannt und bewegt sich, wenn auch schwerfällig, in Richtung einer ressourcenarmen Zukunft.



Angefangen hat diese neuere Entwicklung auch mit der Erfindung des Elektromotors, dessen Ursprungsmodell bereits vor 1800 entwickelt wurde. Es ist also schon erstaunlich, dass es einen Internetunternehmer wie Elon Musk brauchte, der sein Geld zuvor mit der Entwicklung von PayPal verdiente, um den Elektromotor in den 2000ern schließlich salonfähig zu machen. Die Konzeption des Elektrowagens Roadster wird seither als erster kommerzieller Versuch gesehen, den Benzinmotor abzulösen.



Dabei wurde ganz nach Apple-Vorbild vor allem auch die Sexyness des E-Autos hervorgehoben. Ein Luxusauto entstand, das Prestigeobjekt für Hollywoodstars wurde. Jetzt, knapp 20 Jahre später, nachdem die Reichweite der Batterien gesteigert wurden, die Infrastruktur verbessert und schließlich auch erschwinglichere Autos hergestellt wurden, hat Tesla seine ersten Ziele erreicht und einen neuen Markt im Visier: den Transport.



Der Sprung in den Kommerz



Es war nur eine Frage der Zeit, bis Tesla mit Model 3 nicht nur einen Mittelklassewagen entwickelte, sondern mit seinem Tesla Semi auch das Transportgeschäft ins Visier genommen hat, um dort die dreckigen Diesel-LKW abzulösen. Eine Neuinterpretation des Transportwesens wurde angekündigt, die in etwa mit dem Wechsel in der Casinowelt vergleichbar ist. Dort wurden binnen weniger Jahre die landbasierten Spielcasinos von ihrer Online Konkurrenz überholt, die nicht nur einen Casino Bonus ohne Einzahlung nach dem anderen versprachen, sondern 24/7 offene Türen liefern konnten.



Elon Musk versprach bei der Vorstellung des Tesla Semi Trucks ähnlich große Neuerungen, zum Beispiel Trucks mit nicht nur 20% geringeren Betriebskosten als herkömmliche Modelle, sondern Cockpits mit Kameras statt Rückspiegeln, Panzerglasscheiben, Frontkollisionswarnung, automatischer Spurhaltung und vielem mehr. Ein Truck, wie er in einer Zukunftsvision auftauchen würde, auch vom Design, das stromlinienförmig silbern glänzt wie der DeLorean in Zurück in die Zukunft und den Fahrer in die Mitte des Cockpits setzt. Doch besonders die verbesserte Reichweite von 800 km bei voller Ladung und durchschnittlichen 100 km/h bis zur nächsten Aufladung war der eigentliche Erfolg. Denn erst wenn die Fahrt nicht häufiger unterbrochen wird als ein Tankstellenaufenthalt oder die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen, ist die kommerzielle Nutzung eines Sattelzuges aus dem Hause Tesla auch für kleine Unternehmen effizient. Der Grundstein wurde bereits 2017 gelegt, als Elon Musk in einer Show seine Trucks vorstellte. 2020 sollte der erste Truck vom Laufband rollen. Doch das ist bislang nicht geschehen. Warum?



Neue Lösungen für alte Probleme



Schon lange ist die Batterie das Nadelöhr für die E-Autobranche. Denn trotz vieler Innovationen in diesem Bereich ist das Speichern von Energie über Batterien noch immer eine Herausforderung. Denn es geht dabei nicht nur darum, wie viel mit den Batterien gespeichert wird, sondern auch zu welchem Preis. 2019 kam die Entwicklung des Trucks vorerst zum Erliegen, da die eingebauten Batterien zwar eine Fahrt von bis zu 800 km Reichweite möglich machten, zu einem Zusatzgewicht von einer Tonne führten. Für die Transportbranche, die um jedes Kilo Transportgut kämpft, war damit der Semi vom Tisch. Seither sucht das Expertenteam rund um Elon Musk fieberhaft nach neuen Lösungen im Bereich der Batterieentwicklung. Daher wurde von der Tesla-Spitze der Einbau der neuen Batteriegeneration angekündigt, die zwar ein höheres Volumen haben wird, aber dadurch gleichzeitig 16% mehr Reichweite bringen soll. Das wären schließlich sogar 1.000 km ohne Aufladung statt der zuvor versprochenen 800 km. 2020 wurde beim Battery Day von Tesla der Einbau der neuen Generation im Truck beschlossen.



Produktionsstopp und Ladehemmungen



Doch dabei gibt es ein heikles Problem. Die Batterien können derzeit noch nicht in den Stückzahlen hergestellt werden, die nötig werden, um den Semi Truck 2020 zu bauen. Derzeit liegt die Produktion bereits zurück, obwohl laut Medienberichten bereits über 1.000 Trucks bei dem Hersteller bestellt wurden. Neben diesem kleinen Schluckauf hat Tesla jedoch nach wie vor ein weiteres Problem, dass den Einstieg in das Transportgeschäft erschwert. Der E-Truck hat einen Stromverbrauch pro Ladung, der einem Drei-Personen-Haushalt für drei Monate entspricht.



Um diese Menge an Strom binnen 30 Minuten aufzuladen, braucht es die Supercharger von Tesla, die maximal 145 kW leisten können. Davon gibt es derzeit jedoch erst elf Stück weltweit. Um den Semi Truck für die Branche nutzbar zu machen, müssen langfristig sogenannte Gigacharger gebaut werden. Vorstellbar wären hierbei Ladestationen an den Fabriken, wo parallel die Ladung der Trucks gelöscht wird. Wer sich fragt, ob dann nicht einfach der Schienenverkehr profitabler wäre, der bereits über ein Stromnetz verfügt und weit mehr Tonnen Güter verschieben kann, liegt da derzeit wohl nicht ganz falsch.



Wann kommt die Veränderung im Transportwesen?



Egal, wie viele weitere Monate wir auf den Elektro-Truck warten müssen, dass es den Tesla Semi auf unseren Straßen geben wird, daran zweifeln kaum noch jemand. Denn hierbei geht es nicht nur um die Umwelt, die viele Leute zum Umdenken zwingt, sondern um harte wirtschaftliche Interessen. Der Gütertransport auf Deutschlands Straßen zählte 2018 laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur über 260 Millionen Fahrten mit LKWs. Das ist für die Umwelt eine Katastrophe und bares Geld in den Augen von Elon Musk.



Der Wettbewerb bei den E-Autos und die starke Konkurrenz aus China hat schon jetzt zu einer Wende geführt, die Unternehmen anstachelte, Neues zu wagen. Durch die Freigabe der Patente für Zapfsäulen eröffnete Musk mit seinem Unternehmen zusätzlich vielen anderen den Einstieg in den Ausbau der Infrastruktur, der dringend notwendig ist, um aus dem Nischendasein heraus zu kommen. Immer mehr Zapfsäulen werden gebaut und immer mehr Fabriken für E-Autos noch dazu.



Für den Transport von Gütern werden allgemein jedoch noch weitreichendere Innovationen erwartet. Schließlich haben bereits andere Unternehmen wie Amazon den Transport von Gütern per Drohnen ins Spiel gebracht. Auch autonom fahrende LKW sind mittlerweile vorstellbar und gigantische Segelschiffe für den Schiffsverkehr sind wieder ein Thema. Schließlich wird selbst die Rückkehr zur Schiene eine Frage sein, die Expertinnen und Experten diskutieren müssen. Es bleibt also spannend, was neben den Tesla Semi Trucks in Zukunft auf den Straßen zu sehen sein wird.


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