Ist Packard zurück auf dem Markt?

Ist Packard zurück auf dem Markt?

Für manche ist der Name kaum mehr als ein Fremdwort. Für eingefleischte Automobilenthusiasten hingegen ist er ein wahrer Legendenbegriff. Packard zählte einst zu den exklusivsten Herstellern von Luxusautomobilen weltweit. Doch die Marke musste ihre Produktion schließlich einstellen, und über Jahrzehnte hinweg blieb es still um den traditionsreichen Namen. Ist dies nun das große Comeback? Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr über Packard und insbesondere über dieses außergewöhnliche Fahrzeug.

Der Packard Excellence gehört zweifellos zu den bemerkenswertesten Automobilprojekten der vergangenen Jahre. Auf den ersten Blick wirkt die elegante Luxuslimousine wie die sensationelle Rückkehr einer längst verschwundenen Traditionsmarke. Sie trägt stolz den berühmten Packard Schriftzug auf ihrer Motorhaube und wird von einer versenkbaren Kühlerfigur gekrönt. Hinter dem Namen verbirgt sich jedoch keine Wiederbelebung der legendären amerikanischen Marke in Serienproduktion, sondern die Verwirklichung einer Idee, die bereits vor fast siebzig Jahren entstand und damals niemals Realität wurde.
Um die Geschichte des Packard Excellence zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick zurück. Die 1899 gegründete Packard Motor Car Company galt über Jahrzehnte hinweg als Inbegriff amerikanischer Luxusautomobile. Präsidenten, Industrielle und Filmstars ließen sich in den prestigeträchtigen Fahrzeugen chauffieren. Modelle wie der Packard Twelve oder der Caribbean standen für höchste Ingenieurskunst und kompromisslosen Komfort. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Marke jedoch zunehmend unter Druck. Die Fusion mit Studebaker im Jahr 1954 brachte nicht die erhoffte Rettung, und bereits 1958 verschwand der Name Packard endgültig vom Markt.

Weniger bekannt ist, dass es Ende der 1950er Jahre tatsächlich Überlegungen gab, die Marke auf ungewöhnliche Weise am Leben zu erhalten. Studebaker Packard prüfte damals eine Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller Facel Vega. Dessen viertürige Luxuslimousine, die Facel Vega Excellence, hätte unter Umständen als neuer Packard verkauft werden können. Das Projekt wurde jedoch nie verwirklicht. Genau diese nie umgesetzte Idee inspirierte Jahrzehnte später die Entstehung des modernen Packard Excellence.
Die Initiative ging von einem privaten niederländischen Sammler aus, der sich fragte, wie ein Packard ausgesehen hätte, wenn die Marke ihren Weg bis in die Gegenwart fortgesetzt hätte. Gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen JB Classic & Bespoke sowie dem Designstudio Cinovara Design begann die Arbeit an dem Projekt. Die Entwicklung startete bereits im Jahr 2020 und erstreckte sich über mehrere Jahre. Insgesamt flossen rund 17.000 Arbeitsstunden in die Fertigstellung dieses Einzelstücks. Das Ergebnis wurde schließlich im Jahr 2025 der Öffentlichkeit präsentiert und sorgte weltweit für Aufsehen.

Obwohl der Packard Excellence wie ein eigenständiges Fahrzeug wirkt, basiert er technisch auf einem Bentley Flying Spur der dritten Generation. Die Wahl fiel nicht zufällig auf die britische Luxuslimousine. Der Flying Spur bietet modernste Technik, eine erstklassige Verarbeitung und die souveräne Leistung, die man auch von einem zeitgenössischen Packard erwarten würde. Die Plattform mit permanentem Allradantrieb, adaptiver Luftfederung und komplexer Fahrzeugelektronik blieb weitgehend erhalten.
Unter der langen Motorhaube arbeitet Bentleys bekannter 6,0 Liter W12 Biturbomotor. Das Triebwerk leistet bis zu 635 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 820 Newtonmetern bereit. Die Kraft wird über ein Achtgang Doppelkupplungsgetriebe an alle vier Räder übertragen. Trotz seiner Größe beschleunigt die luxuriöse Limousine mit der Vehemenz eines Sportwagens und erreicht Geschwindigkeiten, die den historischen Packard Ingenieuren vermutlich wie reine Science Fiction erschienen wären.
Besonders beeindruckend ist jedoch die Karosserie. Nahezu jedes sichtbare Außenblech wurde eigens für dieses Projekt neu entwickelt und gefertigt. Die Designer versuchten nicht, einen klassischen Packard schlicht zu kopieren. Stattdessen stellten sie sich die Frage, wie sich die Formensprache der Marke über die Jahrzehnte hinweg weiterentwickelt hätte. Das Ergebnis verbindet moderne Proportionen mit historischen Details zu einem stimmigen Gesamtbild.

Die Front wird von einem imposanten, dreigeteilten Kühlergrill dominiert, der unverkennbar an die großen Packard Modelle der Vorkriegszeit erinnert. Darüber thront die berühmte „Goddess of Speed“, die sich auf Knopfdruck in die Karosserie versenken lässt. Die schmalen, vertikal angeordneten LED Scheinwerfer verleihen dem Fahrzeug einen selbstbewussten und repräsentativen Auftritt. Zahlreiche Chromdetails und handgefertigte Edelstahlzierleisten unterstreichen zusätzlich seinen luxuriösen Charakter.
Eine besondere Hommage an die historische Facel Vega Excellence stellen die gegenläufig öffnenden Hintertüren dar. Diese sogenannten Suicide Doors verleihen dem Fahrzeug nicht nur eine außergewöhnliche Eleganz, sondern ermöglichen auch einen besonders repräsentativen Einstieg in den Fond. Ihre Konstruktion erforderte umfangreiche Änderungen an der Karosseriestruktur und zählt zu den aufwendigsten Elementen des gesamten Projekts.
Im Innenraum entschied man sich bewusst gegen eine vollständige Neugestaltung. Der Auftraggeber wollte die Qualität und Perfektion des Bentley Interieurs bewahren. Deshalb stammen Armaturenbrett, Sitze, Infotainmentsystem und zahlreiche Bedienelemente direkt vom britischen Spenderfahrzeug. Lediglich feine Details wie Packard Embleme und individuelle Veredelungen erinnern daran, dass man sich in einem einzigartigen Automobil befindet.

Einen offiziellen Preis für den Packard Excellence gibt es nicht. Angesichts des Bentley Spenderfahrzeugs, der vollständig neu entwickelten Karosserie und der tausenden Arbeitsstunden dürfte die tatsächliche Investition jedoch deutlich im Millionenbereich gelegen haben. Allein die Entwicklungskosten würden eine wirtschaftliche Serienfertigung nahezu unmöglich machen.
Gerade darin liegt jedoch die besondere Faszination dieses Automobils. Der Packard Excellence wurde nie als Serienmodell konzipiert. Er sollte keine neue Marke etablieren und keine Verkaufszahlen erzielen. Vielmehr ist er ein rollendes Gedankenspiel. Er beantwortet die Frage, wie ein moderner Packard aussehen könnte, wenn die Geschichte der Marke nicht bereits Ende der 1950er Jahre geendet hätte.

Dass wir dieses prachtvolle und geschichtsträchtige Fahrzeug heute tatsächlich erleben dürfen, ist für alle Fans eine große Freude. Noch schöner ist die Tatsache, dass diese einst unerfüllte Vision schließlich Wirklichkeit geworden ist. Wir hoffen daher, dass dies nicht das letzte Mal gewesen ist, dass wir den Packard Excellence zu Gesicht bekommen haben.

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